Komm ins Vogelnest

Familien legen immer mehr Wert auf Achtsamkeit und Naturerfahrungen, wenn der Frühling erwacht! Für mich gibt es kaum etwas Spannenderes, als die flinken Vögel im Garten zu beobachten. Doch wie wohnen Meise, Spatz und Co. eigentlich? „Vogelgezwitscher, bunte Federn und emsiges Treiben im Gebüsch“, das Thema Vögel ist ein Dauerbrenner in unseren Eltern-Kind-Gruppen. Aber wie macht man das Thema für Kinder unter 3 Jahren greifbar? Wir bauen uns ein Nest! Ganz einfach mit naturnahem Nistmaterial, das die kleinen niedlichen Vögel auch für ihr Nest einsammeln. Vogelbeobachtung im heimischen Garten mit Kleinkindern sind magisch und die passenden Vogelstimmen integrieren wir spielerisch in unsere Musik- oder Krabbelgruppen. „Hört ihr das? Jeder Vogel singt sein eigenes Lied, eine wunderbare Welt der Klänge. Doch wir wollen heute nicht nur hören, sondern auch begreifen.

Vogelstimmen entdecken

Bei mir gibt es kein Babykurs und kleine Eltern-Kind-Gruppe ohne Musik! Um das Gehör zu schulen, bauen wir kleine Klang-Pausen ein. Beim „Wer singt denn da?“-Spielen versuchen wir, die Töne mit der Stimme nachzuahmen. Ein tiefes „Krah-Krah“ der Krähe oder das hohe „Zizibe“ der Meise fasziniert schon die Kleinsten. Klatscht gemeinsam den Rhythmus eines Spechts nach, der an den Baum klopft. Das Nachahmen von Vogelstimmen ist in Eltern-Kind-Kursen ein absoluter Hit, weil es die Lautbildung der Kinder fördert und einfach Spaß macht. Da Kinder bis 3 Jahre vor allem auf Rhythmus und Tonhöhe reagieren, sollten wir die Rufe lautmalerisch (onomatopoetisch) gestalten.

  • Die Blaumeise macht „Zizi-bebe-zizi!“ (sehr hoch, fein und silbrig). Mit den Fingern in der Luft „tippeln“.
  • Die Amsel macht „Tack-tack-tack“ oder melodisches Flöten. Der Warnruf ist kurz und knackig, der Gesang wie ein Lied. Gemeinsam auf die Oberschenkel patschen.
  • Der Kuckuck macht „Kuck-kuck!“ als fallende Terz (jeder kennt ihn!). Hinter den Händen verstecken (Guck-Guck-Spiel).
  • Die Taube macht „Gru-hu-ruuu“ (rollend, sanft und beruhigend), die Hände zur Höhle vor dem Mund halten und den Kopf leicht vor und zurück bewegen.
  • Die Krähe macht „Krah! Krah!“ (tief, kräftig und etwas rauer). Dabei tief in den Bauch atmen, die Arme wie Flügel schlagen.
  • Der Specht macht „Piek! Piek!“ (und Trommeln) Spitz und kurz. Mit dem Zeigefinger auf den Boden klopfen.
  • Der Spatz macht „Tschilp! Tschilp!“ (frech, laut und aufgeregt). Mit den „Flügeln“ (Ellbogen) ganz schnell flattern.
  • Der Storch macht „Klapper-klapper-klapp“ (ein hartes, rhythmisches Geräusch). Die Hände wie einen Schnabel vor dem Gesicht klappern lassen.
  • Der Star macht „Srrrriii-pfeif-knatter“ (ein Mix aus Pfeifen und Schnalzen. Zungenschnalzen und wilde Handbewegungen (Chaos-Gesang).
  • Die Möwe „Ki-aaa! Ki-aaa!“ (laut, schrill, wie Lachen). Den Kopf in den Nacken legen und die Arme weit ausbreiten.
  • Die Wildgans macht „Gack-gack“ oder „Honk!“ (Kräftig und sehr rhythmisch). Im „Watschelgang“ durch den Raum bewegen.
  • Der Kranich „Gru-gru! Gru-gru!“ (hörbares, tiefes Trompeten). Ganz groß machen, auf einem Bein stehen und „trompeten“.

Nistmaterial

Damit das gemeinsame Nestbauen nicht nur Spaß macht, sondern auch draußen im Garten der Familien Sinn ergibt, nutzen wir ausschließlich natürliche Materialien. Diese können die Eltern später als „Nistmaterial“ für die Vögel in ihren Gärten auslegen. Wir nehmen explizit Materialen, die sicher sind (z.B. unbehandelte Wolle, kleine Zweige, Heu) und vermeiden z.B. Plastikfäden. Heu und Stroh sind die Basis für Stabilität. Kurze Woll- oder Stofffäden aus Naturmaterialien (Wolle, Baumwolle) und maximal 10 cm lang, damit sich kein Vögelchen verheddert. Moos und Flechten sind wunderbare Polsterstoffe, die sich toll anfühlen. Getrocknetes Gras oder kleine Birkenreiser sind für die Struktur und Federn sind das absolute Highlight für die haptische Erfahrung der Kinder. Wir legen die Materialien in eine flache Schale oder einen Weidenkorb. Die Babys dürfen fühlen, zupfen und die unterschiedlichen Texturen entdecken. Kleinkinder helfen, die Materialien in kleine „Nester“ zu formen oder sie in eine leere Klopapierrolle (mit Löchern) zu stopfen, die man später als Spender im Garten aufhängen kann. Vögel mögen es nicht, wenn das Material am Boden liegt (da lauern Katzen). Am besten wird das Material in leere Meisenknödel-Halter (Gitterkorb) wettergeschützt an einen Baum gehängt. Oder einfach locker in die Zweige eines dichten Busches stecken. Da ich auch das Wild im Garten habe. Schafwolle soll das Wild davon abhalten an euren Bäumchen und Büschchen zu knabbern. Wenn ihr die Vögel beim Sammeln beobachtet, ist das für kleine Kinder ein faszinierendes Kino am Fenster!

Die Vögel beginnen viel früher mit der Planung als wir oft denken. Wir können Nistmaterial ab Ende Februar bis Anfang März bereitstellen. Vögel wie die Meisen oder die Amsel fangen oft schon im März an, ihr Revier zu sichern und erste Halme zu sammeln. Der große Ansturm herrscht im April und Mai. Auch im Juni und Juli macht es noch Sinn, da viele Vögel ein zweites Mal brüten und ihr Nest dafür ausbessern oder neu bauen. Was wir im Garten anbieten können (und was nicht!): Super geeignet sind dünne Zweige für das Grundgerüst, trockenes Moos und Halme für die Polsterung, Kokosfasern und echte Federn von anderen Vögeln (vorher kurz mit heißem Wasser übergießen). Bitte vermeiden! Synthetik-Fäden und lange Schnüre über 10 cm sind potenzielle Schlingen. Hunde- oder Katzenhaare, die mit Flohmitteln (Spot-ons) behandelt wurden, sind giftig für die Küken. Trocknerfussel saugen sich mit Regen voll, klumpen und enthalten oft Reste von Waschmitteln.

Ich finde das Thema Vögel ist so wertvoll für Kinder und auch Erwachsene. Für die auditive Wahrnehmung, da die Kinder lernen, Geräusche zu unterscheiden. Für die Mundmotorik, weil die verschiedenen Laute (das spitze „i“, das offene „a“, das gerollte „r“) ein tolles Training für die Sprachentwicklung sind. Und für die Naturverbindung, denn wenn die Kinder diese Laute im Garten wiedererkennen, haben sie ein direktes Erfolgserlebnis. Die Kinder bei meinen Musikzwergen nehmen nicht nur ein haptisches Erlebnis mit nach Hause, sondern auch ein geschultes Ohr für die Wunder direkt vor ihrer Haustür. Und wenn die Familien dann im Garten beobachten, wie ein echter Spatz sich die bereitgelegten Materialien für sein eigenes Heim stibitzt, werden unsere Stunden zum Gesprächsthema am Abendbrottisch. Ich wünsche euch viel Freude beim Zwitschern, Bauen und Lauschen!

Veröffentlicht in Alltagskram, Frühling, Geschichten, Jahresuhr, Lifestyle Famile, Sensorische Erlebnisse, Soziale Interaktionen.

Schreibe einen Kommentar