Es geht nicht immer darum, dass wir einen perfekten Spielraum einrichten, sondern dem natürlichen Drang der Kinder zum Fühlen, Hören und Entdecken Raum zu geben. Ob es das faszinierende Knistern im Kissen ist oder das sanfte Schaukeln auf einem Untergrund, kleine Inseln fördern die Motorik, die Sinne und vor allem die Freude am Ausprobieren. „Kissen“ im Spielraum oder zuhause sind eigentlich wertvolle Entwicklungsarbeit und laden zu zahlreichen gemeinsamen Spielen ein. Kissen sind weit mehr als nur weiches Zubehör für den Schlaf. Für Babys und Kleinkinder ist ein Stapel mehrerer Kissen im Grunde eine kostenlose Bewegungslandschaft, Abenteuerspielplatz und sensorisches Erlebnis in einem. Das Spiel mit Kissen fördert die kindliche Entwicklung auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Beim Krabbeln über weiche, instabile Untergründe wird die Rumpfmuskulatur gestärkt und das Gleichgewicht deutlich mehr als das Laufen auf flachem Boden verbessert. Die Kinder lernen durch den Widerstand und die Weichheit der Kissen, ihren eigenen Körper und dessen Grenzen besser wahrzunehmen (Tiefensensibilität), außerdem fördern sie die Raumwahrnehmung, denn durch „Drunter, drüber, zwischendurch“, helfen Kissen dabei, räumliche Konzepte physisch zu begreifen. Ein Kissen ist heute ein Berg, morgen ein Boot und übermorgen ein weiches Nest.
Spielideen für Babys
Gleichgewicht auf einer Kissen-Insel. Platziert ein Baby in die Mitte eines großen, flachen Kissens. Die leichte Instabilität regt die kleinen Muskeln an, die für das freie Sitzen nötig sind. Hindernisse im Spielraum, hierfür flache Kissen auf den Boden legen, über die die Kinder krabbeln oder laufen müssen, um an ein beliebtes Spielzeug zu gelangen. Das trainiert die Koordination von Armen und Beinen. Textur-Entdeckungen, nutzt bewusst verschiedene Kissen mit verschiedenen Größen und Bezügen (Samt, Baumwolle, Strick), damit die Kinder unterschiedliche haptische Reize erfahren. Wenn ihr verschiedene Füllungen verwendet (Daunen, Schaumstoff, Körner), Packpapier, Luftpolster usw., können die Kinder bewusst die Unterschiede spüren. „Das hier ist federleicht, das hier ist schwer und fest“.
Haptische Spielkissen Inseln
Wer sagt, dass Spielzeug teuer sein muss? Oft liegt das beste Lernmaterial direkt auf dem Sofa. Mit ein paar Handgriffen verwandeln wir einfache Kissen in faszinierende Erlebnisinseln, die alle Sinne ansprechen. Wenn wir Kissen als Inseln im Raum verteilen, schaffen wir kleine „Entdecker-Pfade“. Die Kinder dürfen von einer Insel zur nächsten krabbeln oder robben, was ganz nebenbei die Ausdauer fördert. Schon die Kleinsten verstehen Fürsorge. Ein Tragekorb mit einem kleinen Kissen dient als Decke für meine Kurspuppe und meine Kindern schauen immer bei uns vorbei zum Spiel. Hier sind meine Favoriten für heimische Entdecker-Kissen.
Lockenwickler an Wollkissen kletten, wenn Kinder an ihnen ziehen, gibt es einen Widerstand und ein Geräusch, dies schult die Kraft in den Fingern. Die Kombination aus einem harten Korb mit einem weichen Kissen und Holzspielzeug drauf ist ein Kontrast-Erlebnis, es fördert die Feinmotorik, wenn das Holzspielzeug in der weichen Mulde des Kissen balanciert werden muss. Große, fest vernähte Knöpfe sind perfekt für den Pinzettengriff. Die Kinder versuchen, den Rand des Knopfes zu greifen oder ihn zu drehen. Ein Wende-Pailletten-Kissen ist die ultimative visuelle Stimulation. Es ist fast schon meditativ und fasziniert Kinder oft minutenlang, weil sich die Farbe „wie durch Zauberei“ verändert. Verschiedene Schlaufen aus bunten Bändern oder Kordeln können fest an ein Kissen vernäht werden. Babys lieben es, ihre Finger in Schlaufen zu stecken oder an Bändern zu zupfen. Unterschiedliche Breiten und Oberflächen (glatt vs. geriffelt) machen es spannend. Nähe Glöckchen an ein Kissen (oder gut gesichert in einer Ecke). Jede Bewegung des Kissens wird mit einem hellen Klang belohnt. Das regt die Kinder dazu an, das Kissen zu schütteln oder darauf zu trommeln.
Spielideen für Kleinkinder
Kissen-Parcour als Strecke aus verschiedenen Kissen bauen. Das „Kissen-Sandwich“: Eltern legen ein Kissen auf ihren Bauch und die Kinder legen sich vorsichtig auf das Kissen. Viele Kinder lieben diesen „festen Halt“, der beruhigend auf das Nervensystem wirkt. Kleine Kissen sind die perfekten „Wurf-Bälle“. Man kann sie werfen, ohne dass etwas kaputt geht, und das Fangen üben, ohne dass es wehtut. Mit ein paar Decken und Stühlen wird aus dem Kissenstapel ein Rückzugsort für Bilderbücher.
Kreative Füllungen
Selbstgemachtes Spiel-Material, durch verschiedene Füllungen bietet eine sensorische Vielfalt, die Kaufspielzeug oft nicht bieten kann. Welche Materialien habt ihr gerade sowieso zu Hause oder im Kursraum? Probieren geht über studieren. :-). Luftpolsterfolie ist für Kinder ein Riesenspaß beim Gegen- oder Drauftreten und hat eine Noppen-Struktur, die man durch den Stoff fühlen kann. Rettungsdecke (Gold/Silber) haben ein intensives, metallisches Knistern bei der kleinsten Berührung. Reis erzeugt ein „hartes“, prasselndes Geräusch, fast wie Regen. Es fühlt sich körnig an, wenn man mit der Hand darüberstreicht. Alufolie (leicht zerknüllt) hat ein metallisches, helles Knacken und fühlt sich im Kissen etwas „kantiger“ an als Papier. Backpapier erzeugt ein lautest rascheln beim Schütteln des Kissens. Dinkelkerne oder Kirschkerne lassen ein Kissen schwer werden, es schmiegt sich gut dem Körper an. Es wirkt beruhigend, wenn es auf den Schoß oder die Beine gelegt wird (ähnlich wie ein Therapiekissen). Zusammengerollte Handtücher erzeugen einen festen, stabilen Widerstand und ist super zum drüber Klettern, da es nicht so stark nachgibt wie Watte. Kastanien oder Eicheln (in der Saison) bieten eine sehr unebene, fast „hügelige“ Oberfläche. Es ist eine tolle Fußmassage, wenn Kleinkinder vorsichtig darüberlaufen. Schwämme lassen sich tief eindrücken und „ploppen“ langsam wieder in Form, sie fühlen sich federnd und weich an. Luftballons (nur halb aufgepustet) machen Kissen "wabbelig" und unberechenbar. Es schaukelt und federt sehr stark. Leere, Plastikflaschen (PET) oder stabilie Papprohre erzeugen eine rollende, instabile Unterlage. Wenn man den Kissenbezug mit mehreren Flaschen füllt, entsteht eine Art „Rollbahn“.
