Flügge werden, wie die Spatzen und die Meisen. Der erste Geburtstag ist weit mehr als nur eine Kerze anzünden. Er markiert den Moment, in dem aus unseren „Küken im Nest“ kleine Entdecker werden, die bereit sind, ihre Flügel ein Stückchen weiter auszubreiten. In unseren Kursen – ob Musikzwerge, Krabbelgruppe oder Babykurs – dürfen wir diesen magischen Übergang begleiten. Mein Lieblings-Geburtstagslied ist das traditionelle „Am Fenster heute morgen“. Hier sind es nämlich die Spatzen und die Meisen, die die frohe Botschaft von den Dächern zwitschern. Die Kleinen dürfen bei mir kurz zur Ruhe kommen und echten Vogelstimmen lauschen. Während Meisen eher die flinken Akrobaten sind, sind die Spatzen (Sperlinge) die ultimativen Geselligkeits-Profis. Sie machen alles zusammen – und das passt wunderbar zu unserem Gruppengefühl. Wir dürfen in unseren Gruppen betonen, dass ein Gruppe genau wie ein Spatzenschwarm ist, wir lernen voneinander, wir schimpfen mal gemeinsam über schlaflose Nächte und am Ende fliegen alle gestärkt nach Hause.
Wir erleben oft zwei ganz unterschiedliche Dynamiken, je nachdem, welches Kind feiert. Das Thema bietet uns die perfekte Kombination für ein Geburtstagsritual. Wir können es wunderbar zusammenführen, indem wir zeigen, dass beides zum ersten Geburtstag gehört. Das Meisen-Momentum, hier darf das Kind ganz für sich (und mit den Eltern) etwas Besonderes erleben – wie eine Meise, die geschickt ein Körnchen pickt (z.B. die Kerze bestaunen). Und das Spatzen-Fest wo die ganze Gruppe lautstark mitfeiert – wie ein Schwarm Spatzen, der das Geburtstagskind mit seinem Gezwitscher hochleben lässt. Ob Kinder nun wie Meisen leise die Welt entdecken oder wie Spatzen lautstark durch den Raum tschilpen – das Wichtigste ist das Nest, das Eltern.
Spatzen „Wissens-Häppchen“
1. Was es mit dem Dreckspatz auf sich hat. Spatzen lieben es zu baden, aber nicht nur im Wasser! Sie nehmen leidenschaftlich gerne Staub- und Sandbäder. Das sieht super lustig aus, wenn sie sich im Sand wälzen und die Flügel schlagen. Das machen sie, um ihr Gefieder sauber zu halten. Die Kinder sitzen auf dem Boden. Wir tun so, als läge vor uns ein riesiger Haufen feiner Sand. Und dann rein in den Staub! Die Kinder (und Eltern) trommeln mit den Händen auf den Boden, rütteln die Schultern und „schütteln“ sich mal so richtig durch, um den imaginären Staub aus den Federn zu bekommen. Das lockert die Muskulatur und sorgt für Gekicher.
2. Immer gemeinsam statt einsam. Ein Spatz ist fast nie allein. Die kleinen Vögel leben in „Spatzen-Gangs“. Sie schlafen zusammen, suchen zusammen Futter und schimpfen sogar zusammen, wenn eine Katze kommt. Ein echter Spatz ist ein Teamspieler und Spatzen sind berühmt für ihr lautes „Tschilp-Tschilp“. Wir machen ein Ruf-Antwort-Spiel: wir geben einen Rhythmus vor (z.B. kurz-kurz-lang: Tschilp-tschilp-tschiiiiilp). Die Kinder und Eltern antworten als „Spatzen-Chor“. Man kann das wunderbar mit Klanghölzern begleiten, das sind die „Pick-Geräusche“ der Schnäbel.
3. Kleine Kraftprotze. Obwohl sie so klein sind, können Spatzen ganz schön kräftig zupacken. Mit ihren dicken, kegelförmigen Schnäbeln können sie harte Körner knacken, die für andere kleine Vögel viel zu schwer wären. Da Spatzen alles teilen, simulieren wir das mit einem großen Chiffon- oder Schwungtuch. Alle halten das Tuch fest. In die Mitte legen wir „Brotkrümel“ (weiche Stoffbälle). Gemeinsam müssen wir die Spatzen-Bande (das Tuch) so bewegen, dass kein Krümel runterfällt, während wir im Kreis wandern. „Einer für alle, alle für den Spatz!“.
Drei Spatzen pfeifen auf dem Dach,
(Drei Spatzen zeigen)
sie waren heute lange wach.
(Arme als Flügel ausbreiten)
hüpfen in ihr Nest aus Stroh,
(zarte Hüpfer hüpfen)
„Wir sind über Freunde froh!“
(Sich selbst oder das Kind fest umarmen)
Ein letztes „Tschilp“, und still,
(Luftkuss geben)
weil jeder Spatz schlummern will.
(Winkend den Kreis auflösen)
Meisen „Wissens-Häppchen“
1. Meisen sind kleine Akrobaten. Habt ihr schon mal gesehen, wie eine Meise kopfüber an einem Ast hängt? Das können nicht viele Vögel! Meisen haben extrem starke Krallen. Sie nutzen diesen Trick, um an Futter zu kommen, das unter Blättern versteckt ist oder an das größere Vögel nicht herankommen. Sie sind die Zirkusartisten des Gartens! Die Kinder (evtl. an der Hand der Eltern) balancieren über ein etwas erhöhtes Brett (ich nehme die Pikler-Hühnerleiter). In der Mitte müssen sie „kopfüber“ nach Futter suchen, das unter dem Brett liegt. Wer schafft es, dabei wie eine Meise laut „Zizibe!“ zu rufen?
2. Gedächtnis wie ein Superhirn. Besonders die Blaumeisen sind richtig schlau. Sie können sich hunderte von Verstecken merken, in denen sie Futter vergraben haben. In England haben Meisen früher sogar gelernt, die Aludeckel von Milchflaschen aufzupicken, die der Milchmann vor die Haustüren gestellt hatte, um an die Sahne zu kommen. Sie bringen sich solche Tricks gegenseitig bei! Wir legen zwei oder drei umgedrehte Becher oder kleine Schüsseln auf den Boden. Unter einem verstecken wir ein Holz-Ei oder eine Nuss. Wir „Fliegen“ gemeinsam mit den Kindern einmal im Kreis durch den Raum. Wenn wir wieder bei den Bechern ankommen: „Wer weiß noch, unter welchem das Futter versteckt war?“
3. Riesiger Hunger für winzige Vögel. Stellt euch vor, ihr müsstet jeden Tag so viel essen, wie ihr selbst wiegt! Eine Meisen-Mama und ein Meisen-Papa fliegen bis zu 900 Mal am Tag zum Nest, um ihre Küken zu füttern. Die kleinen „Meisen“ haben einen Bärenhunger und fressen in der Wachstumsphase tausende kleine Raupen und Insekten. „Wer von euch hat heute auch so einen Riesenhunger wie ein Meisen-Baby?“. Wir verteilen viele bunte Tücher oder kleine Sandsäckchen (die „Raupen“) im Raum. In der Mitte des Kreises steht ein Körbchen oder ein Reifen (das „Nest“). Die Kinder fliegen (mit den Armen flatternd) durch den Raum, schnappen sich eine „Raupe“ und bringen sie so schnell wie möglich zum Nest. Die Eltern können mit ihren Armen noch ein Dach über dem Nest bilden, unter dem die kleinen Meisen hindurchschlüpfen müssen.
Blaumeise und Kohlmeise
Kohlmeise (Die Große) ist etwa so groß wie ein Spatz und die größte Meise. Schwarze Kappe und weißes Gesicht, der Bauch ist gelb mit einem breiten schwarzen Längsstreifen (der „Aalstrich“). Der Charakter ist mutig, oft die Erste am Futterhaus. Blaumeise (Die Kleine) ist deutlich kleiner und zierlicher. Blaue Kappe und ein feiner schwarzer Augenstreif, der Bauch ist gelb, aber ohne auffälligen schwarzen Streifen. Der Charakter ist extrem flink und akrobatisch (hängt oft kopfüber).
